Lerne aus Liebe zu leben!

Mit diesem Brief fing alles an:

„Liebe Damen und Herren vom Bolivianischen Kinderhilfswerk,

 Was mir persönlich wichtig ist:

Trotz meiner jungen 19 Jahren bin ich mittlerweile soweit das Unrecht in dieser Welt zu sehen. Der Mensch hat sich zum Maß aller Dinge gemacht und wird letztendlich vom Geld regiert. Da der Mensch das Geld/die Wirtschaft über Gleichberechtigung und das Wohl aller, über das Streben zum Weltfrieden und christliche Ideale wie Nächstenliebe stellt, denkt der westliche Mensch, dass sein Luxus nur durch das Leid und den Verzicht eines anderen möglich ist. Ich möchte aus dieser Wirtschaft ausbrechen, eine andere Mentalität kennen lernen, um des Lebens willen leben und nicht um des Geldes willen. Dies ist denke ich am besten in nicht so stark entwickelten Gebieten möglich, in welchen die Einwohner andere, viel humanere und bodenständigere Probleme plagen.

 Sowohl meine große Bereitschaft unter einfachen Lebensumständen zu leben, als auch der Wille nur mit dem nötigsten auszukommen – mich nur auf meinen Geist und meinen Körper zu verlassen – drängen mich nach Südamerika. Die dortige Lebensweise und Mentalität ziehen mich äußerst stark an, und ich bin mit Sicherheit anpassungsfähig an die dortigen Umstände, sehr flexibel und vor allem wandlungswillig.

 Meiner Meinung nach ist es falsch, dass der Mensch (häufig unbewusst) so viele schon gefestigte Urteile und Meinungen zu vielen Dingen hat. Ich möchte jede Sekunde frisch urteilen und nicht an Definitionen von „gut“ und „schlecht“ festhalten. Durch diese Denkweise werde ich den Einwohnern Boliviens mit großem Respekt begegnen. Dies ist ebenso der Grund, wieso ich so vernarrt in die Arbeit mit Kindern bin, da diese noch keine Gewohnheit haben. So habe ich einen sehr guten Umgang mit Kindern, weil ich versuche mit ihnen auf einer Augenhöhe zu reden, ich versuche mich in ihren Kopf hineinzuversetzen und nur so kann man sie auch wirklich erreichen. Dennoch ist es wichtig ihnen gegenüber eine Autoritätsperson darzustellen. In der Oberstufe hatte ich zwei Nachhilfeschüler im Fach Latein und habe kleinere Geschwister, wodurch ich an den Umgang mit Kindern gewöhnt bin. Auch sportliche Erfahrung habe ich mit Kindern, denn ich bin früher in meinem Leichtathletikverein einige Male für den Trainer der jüngeren Gruppe eingesprungen und hatte sehr schnell den Dreh raus wie man die Kinder dazu bringt willig und mit Freude die Sportübungen zu machen.

Noch dazu spiele ich seit fünf Jahren Cello und habe große Lust mit Kindern zu musizieren, das geht ja schon nur mit Rasseln und Trommeln oder einer Flöte. Ich bastele gerne und habe ein großes Ideenreichtum wenn es um neue Kreationen geht. Außerdem habe ich während meiner Schulzeit einige Theatererfahrungen erlangt und kann mir gut vorstellen dies bei den Kindern einzubringen. Durch kreatives und spielerisches Arbeiten ist es am besten möglich den Kindern Bildung, zum Beispiel eine neue Sprache oder den Umweltschutz zu vermitteln.

Außerdem bin ich ein sehr naturverbundener und umweltbewusster Mensch, dieses Bewusstsein ist sehr tief verankert, da meine gesamte Erziehung dadurch geprägt wurde.

Hier in Deutschland trage ich bewusst meinen kleinen Teil bei. Ich konsumiere nur umweltfreundlich und menschenfreundlich hergestellte Produkte, unter anderem dadurch, dass ich Vegetariern bin. Abschreckend am Fleischkonsum ist für mich vor allem die Entfremdung von der Natur.

Ich versuche so zu konsumieren, dass ich stets die christlichen Ideale der Nächstenliebe verfolge, da meiner Meinung nach das Verhalten der Konsumenten am ausschlaggebendsten für die Entwicklung der Wirtschaft ist. Kleidung versuche ich nur dort zu kaufen, wo ich weiß dass sie nicht von Kindern hergestellt wurde; auch Obst und Gemüse kaufe ich bei einem kleinen Händler, der nur lokale Sachen verkauft, und ich so weiß, dass durch den unnötigen Lieferweg und die inhumane Herstellung der Produkte die Umwelt keinen Schaden erlangt.

Ich denke der Fehler des Westens ist, dass der Mensch sich von der Natur ausschließt und nicht begreift, dass er selbst Bestandteil der Natur ist, und die Umwelt nicht verschmutzen sollte. Es gibt nur diesen einen Planeten und den müssen wir bewahren, erhalten und schützen. Aus diesem Grunde fahre ich stets Fahrrad und habe meinen Führerschein bis jetzt nicht gemacht, da ich nicht weiß, ob ich je das Auto fahren und meinen Bezug zur Umwelt unter einen Hut bringen kann. Mir ist allerdings klar, dass ich mit meinem Leben hier in Augsburg diesbezüglich privilegiert bin und wäre natürlich bereit, wenn es etwa mein Beruf oder mein Wohnort erfordert den Führerschein zu machen.

 Durchaus bin ich mir bewusst, dass der Lebensstandard in Bolivien nicht dem hier entspricht, und ich meine Ansprüche an diesen stark reduzieren muss, doch werde ich dies sehr gerne tun.

 Meine Eigenständigkeit, körperliche Belastbarkeit und Flexibilität wird es Ihnen möglich machen, mich sehr breitgefächert einzusetzen. Ich bin bereit alle Aufgaben die anstehen auf mich zu nehmen, da ich dort helfen will, wo ich am meisten gebraucht werde. Meine Faszination und Liebe zu einer fremden Kultur, anderem Essen, einer anderen Mentalität, einem neuen Lebensgefühl und anderen Idealen sind ebenfalls ein Grund, wieso es mich nach Südamerika treibt.

Ich sehe dies als eine große Herausforderung, doch freue mich darauf an dieser zu wachsen, denn das werde ich mit Sicherheit.

Ich weiß, dass es anders kommen wird als ich es erwarte, doch dieses Ungewisse erfüllt mich mit großem Mut und einer unvergleichbaren Vorfreude.

Ich freue mich auf Ihre Antwort,

Alina“