„Die großen Leute verstehen nie etwas von selbst. Für die Kinder ist es zu mühsam, ihnen immer wieder alles erklären zu müssen.“ (Der kleine Prinz)

 

Jpeg

Jpeg

Nach etwa einem Monat haben sowohl ich als auch die Kinder sich endlich an die Guarderia gewöhnt. Der Alltag hat wieder eingesetzt und wir machen mit den Kindern der ältesten Gruppe jeden Tag Puzzles, malen etwas, kneten, basteln etwas Einfaches, lernen die Vokale, gehen auf den Spielplatz oder sehen einen „Lernfilm“.

Jpeg

Jpeg

Mein Lieblingstag ist immer noch der Freitag, auf der Cancha (Sportplatz,Wiese). Dort ist meine Lieblingsbeschäftigung zurzeit Markt zu spielen. Ich werde von den Kindern mit Blättern, Stöcken und Sand bekocht. Das macht den Kindern sehr viel Spaß und es freut mich, wenn die Kinder ihrer Kreativität, welche sonst leider kaum gefördert wird, freien Lauf lassen und mir alle möglichen Leckereien, Suppen und Früchte servieren. Wir spielen ein bisschen Ball-im-Kreis-hin-und-her-werfen und machen Wettrennen.

Jpeg

Jpeg

Jpeg

Die Kinder diesen Jahres sind um einiges ruhiger und gehorsamer als die letzten Jahres. Und mittlerweile habe ich die Eigenheiten und Individualitäten einiger Kinder schon kennen und lieben (oder manchmal eben auch nicht) gelernt. Es gibt ein Mädchen (Pricila), das mich beim Malen immer wieder aufs Neue beeindruckt. Es malt Schmetterlinge, Blumen, Tiere und Häuser ganz frei aus ihrer Fantasie heraus. Das mag jetzt nicht so besonders klingen, doch hier ist es mit 5 Jahren tatsächlich etwas Besonderes, wenn man „frei malen“ kann. Denn die meisten Kinder, sehen mich nur verständnislos an, wenn ich sie dazu auffordere ihre Mutter oder eine Blume zu malen und sagen dann, das können sie nicht und ich solle ihnen das malen. Sie haben kaum Vertrauen in die eigene Kreativität und in ihr eigenes Können. Einige Kinder können den Stift nicht halten und mit viel Geduld zeige ich ihnen, wie sie den Stift so führen, dass ein gerader Strich gemalt werden kann oder wie sie eine Fläche ausmalen. Wenn sie mir mittlerweile ihr Gemaltes zeigen, bestärke und lobe ich sie ganz besonders, damit sie mehr Mut gewinnen und sich trauen etwas zu erschaffen.

Jpeg

Ebenso beim Kneten machen alle Kinder nur Würmchen, wenn überhaupt. Oft erkenne ich nicht, was es darstellen soll, doch jedes Mal sage ich: „wow, wie toll, oh ja , das ist ja schön geworden“. Die andere Tia tut es mir mittlerweile nach und wir loben die Kinder, damit sie sich immer mehr trauen sich ihrer Fantasie zu bedienen. Denn selbst die Tia hat kaum Mut etwas zu malen und denkt immer sofort, dass es hässlich ist. Jedes Mal, wenn es darum geht, etwas zu basteln oder zu malen, lässt sie mich das tun. Mir persönlich ist sehr wichtig, dass jeder Mensch den Mut hat etwas aus der eigenen Fantasie zu erschaffen, denn in der eigenen Fantasie kann es kein gut oder schlecht, schön oder hässlich geben, denn sie muss sich an keinerlei Normen richten.

Pricila eben hat auch beim Kneten viele eigene Ideen und kann mir zu jeder ihrer Kreation eine Geschichte erzählen und das zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Einige Kinder tuen es ihr mittlerweile schon nach, denn sie merken wie sehr es mich freut, wenn sie mir neue Dinge bringen, und nicht immer nur Knetewürmer. Doch selbstverständlich lobe ich auch diejenigen, die mir stolz einen riesigen Knetball bringen. Ich hoffe die Kinder werden ihre Kreativität noch weiter entwickeln und ideenreicher im Umgang mit Stiften und Knete oder auch einfach beim gemeinsamen Spielen. Denn ich denke eines der schönsten Dinge der Kindheit ist die Möglichkeit sich seiner eigenen Fantasie uneingeschränkt zu bedienen, da das eigene Realitätskonstrukt noch nicht so gefestigt ist.

Jpeg

Jpeg

Ich helfe mittags wieder beim Füttern und Wickeln der Babys, und wenn alle Babys mit ihren Nuckelflaschen nebeneinander auf den Matratzen liegen, gehe ich heim, um essen zu kochen. Danach fahre ich in mein anderes Projekt, das Kulturzentrum. Dort will ich nun Perlentiere mit älteren Kindern machen und wir sind gerade dabei einen Garten anzulegen, doch das steckt noch alles in den Kinderschuhen. Deswegen werde ich darüber erst in einigen Wochen etwas zu berichten haben.

Advertisements