Facette(n)

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Botanischer Garten
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Vorsicht Alligatoren

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Diesen Samstag war ich tagsüber im botanischen Garten und genoss dort die Natur, das viele Grün und die Abwesenheit der Autogeräusche. Abends war ich dann auf einem Konzert in einem Projekt, in welchem eine andere Freiwillige arbeitet. Dort sang ein Country-musiker mit kräftiger Stimme und spielte dazu auf seiner E-Gitarre.

Ich wollte nur kurz rausschauen um eine wenig frische Luft zu schnappen. Es war wirklich sehr laut, da die Boxen viel zu groß waren für den kleinen Raum.

Die Mondsichel befindet sich hier nicht so wie in Deutschland entweder auf der rechten oder linken Seite, sondern oben oder unten – gerade war sie unten und bildete somit einen Smiley-mund. Und als ich so draußen stand und in den Himmel blickte und mir den Halbmond anschaute, wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, dass ich gerade in Bolivien bin. Die ungeteerte, sandige Straße, die vielen kleinen eng aneinandergereiten Häuschen, der viele Müll auf dem Boden, an dessen Anblick ich mich beinahe schon gewöhnt hatte, die vielen großen und kleinen Straßenhunde, die beiden Mädchen, die noch herumtollten, der spanische Country-gesang, der aus dem Projektraum erklang. Und ich fühlte mich wirklich glücklich. Obwohl hier zurzeit Winter ist und die Luft endlich ein wenig abgekühlt war, stand ich noch in kurzer Hose und Shirt draußen. Ich konnte kaum einen Stern sehen, da Santa Cruz so eine Riesenstadt ist und das Licht der Stadt die Sterne „frisst“. Nur der Mond leuchtete am Himmel. Es war derselbe Mond, welchen ich in Deutschland gesehen hatte. Doch er sah so anders aus und es fühlte sich auch anders an ihn zu betrachten, auf einem anderen Kontinent, umgeben von einem anderen Lebensgefühl. Ich spürte es, die Andersartigkeit. Es gab hier einfach weniger Hektik, weniger Eile, weniger Hast. Es wurde nicht so stark auf das äußere Scheinbild geachtet, die Kleidung war nicht der oberste Beurteilungsfaktor, wenn man eine Person sah. Und dieses Gefühl, welches die anderen um mich herum ausstrahlten. Dieses Gefühl, welches mir ein 14-jähriges Mädchen gab, mit welchem ich mich kurz darauf unterhielt, welches mir die Umgebung gab, die Luft, der Mond, das Bewusstsein mich an einem völlig anderen Fleck unserer Erde zu befinden, machte mich glücklich. Es fühlte sich weich an und machte mich trotzdem ein wenig wehmütig. Es war klar und trotzdem nicht greifbar. Es machte mich dankbar, dass ich lebe und dass ich so eine feine Emotion spüren durfte. Ich atmete ein. Ich lächelte innerlich und ging wieder hinein.

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2 Gedanken zu “Facette(n)

  1. Oh man du hast in so wundervollen Worten beschrieben, wie ich mich hier so oft in Neuseeland fuehle!! Es ist so realistisch, dass man woanders ist, und man kann es trotzdem manchmal nicht fassen… Das war echt schoen zu lesen, Leila :**

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